Eine Liebeserklärung an unsere Friedhöfe

Nun kommt wieder die Zeit der niedrigen Wolken und des Nebels, in der man leicht etwas melancholisch oder sogar traurig wird, die Zeit aber auch, dass man wieder gerne Kerzen anzündet, weil sie umso heller leuchten, wenn die Sonne nicht mehr so strahlt. Und schließlich die Zeit, in der wir besonders an unsere Verstorbenen denken, auch ihnen vielleicht ein Licht auf den Friedhof bringen und die Gräber winterfest machen.   Wie gut, dass wir sie haben, unsere Friedhöfe. Lassen Sie mit mir Ihre Blicke schweifen vom Gilfershäuser Friedhof, von wo sich das Dorf in die beiden Täler streckt, nach Imshausen, wo der Friedhof ein wenig versteckt über dem Dorf thront, nach Solz, wo man vom Friedhof nun wieder so schön das Solztal hinunterblickt und zum Mönchhosbacher Friedhof, der sich an die eine Talseite schmiegt, quer herüber von der Kirche.   Und wenn wir Abschied nehmen, klingen die Glocken durch unsere Täler, mal kaum zu hören, wenn der Wind schlecht steht, mal klar und deutlich als Mahnung an Endlichkeit und Ewigkeit.   Was mir an unseren Friedhöfen aber besonders gut gefällt, ist, dass sie gewissermaßen eine Fortsetzung unserer Dorfgemeinschaft sind. Bei einer Reihe von Gräbern verbinde ich jetzt schon Gesichter und Familien mit den Namen, die auf den Steinen stehen, bei anderen kann ich sie nur erahnen. Bei uns werden die allermeisten Menschen noch "bei ihren Vätern (und Müttern) versammelt", wie es in der Bibel heißt. Die Familien, die schon lange hier wohnen, wissen, dass auf dem gleichen Acker auch schon ihre Vorfahren begraben worden sind. Am Ende finden wir wieder alle zueinander, selbst wenn im Leben manche Beziehung auch schwierig gewesen sein mag. Geschwister liegen wieder in Sichtweite zueinander und Nachbarn auch. Und wer auf unseren Friedhöfen begraben wird, stellt sich in eine Reihe mit denen, die vor uns in dieser Landschaft gelebt, sie gestaltet haben und von ihr gestaltet worden sind.   Vielleicht fällt einem das gar nicht so auf, wenn man nicht aus der Wechselhaftigkeit der Städte kommt, sondern ganz selbstverständlich in diesem Strom der Familien- und Dorfgeschichte steht. Ich stelle mir das als etwas sehr wertvolles vor, das Ruhe und Kraft und sicheren Stand geben kann. Dass die eigenen Vorfahren hier gelebt und gelacht und gelitten und gefeiert haben und am Ende eben auch hier gestorben sind. Und ich tue es ihnen gleich, nur eben auf meine Weise.   Sich an die Verstorbenen erinnern, dass kann mich traurig und sehnsuchtsvoll stimmen. Das kann mir aber auch Kraft geben. Übrigens, was auch zum Herbst gehört: Unser Erntedankkochen und -essen war wieder sehr schön. Vielen Dank an alle, die mitgemacht oder einfach nur dabei gewesen sind, und besonders an unsere Gastgeber, die Kommunität.

 

 

 

 

 

Tobias Gottesleben

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