Abstand halten! Und trotzdem etwas zusammen tun!

Die Corona-Regeln haben uns in den letzten Monaten einiges abverlangt. Und manch einen hat es noch deutlich härter getroffen, sei es weil Arbeitsplatz oder Einkommen in Gefahr sind, weil es alleine auf die Dauer kaum auszuhalten ist oder weil die eigene Gesundheit oder gar das Leben bedroht waren.

Für Vereine und für unsere Dorfgemeinschaft insgesamt ist es eine harte, dürre Zeit. Hier und da haben sich aber auch neue Pflänzchen herausgebildet, die sonst wahrscheinlich keine Chance gehabt hätten. Sehr genossen habe ich z.B. an den Sonntagen, ehe wir wieder regelmäßig Gottesdienst gefeiert haben, die "Treppengespräche" bei Gemeindegliedern, denen ich eine Andacht vorbeigebracht habe. So viel Zeit war sonst selten, am Sonntagmorgen einfach mal zu hören, wie's so geht, der eine oben an der Haustür und ich unten am Treppenabsatz.

Und neu entdeckt haben wir "Gottesdienste auf dem Wege", die wir in Imshausen, Gilfershausen und Solz gefeiert haben. Zusammen aufbrechen, im sicheren Abstand zueinander gehen, sodass keine Masken notwendig sind und man trotzdem miteinander reden kann; immer wieder Station machen, an besonders schönen Stellen oder vor der Haustür von jemandem, der dann dazu kam; mit einander beten, Gottes Wort hören und sogar singen, wenn wir denn dafür noch etwas weiter ausei-nandergehen. Draußen ist das ja möglich.

Unsere Kirchen sind ja wunderschöne Gebäude, jede auf ihre Art, vertraut und mit dem Gebet zum Teil von Jahrhunderten schon gefüllt. Aber unter Gottes weitem Himmel Gottesdienst zu feiern – jedenfalls, wenn das Wetter danach ist – und miteinander auf dem Weg zu sein, das hat auch etwas.

In dem Lied "Komm in unsre stolze Welt" in unserem Gesangbuch heißt es:

Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen

Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen;

denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

Auf dem Weg sein ist keine Not, sondern eine christliche Tugend und Menschen haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Gott ihnen gerade auf dem Weg begegnet ist.

 Herzlich grüßt Sie Ihr Pfarrer

 

 

 

 

 

Tobias Gottestleben