Herzlich Willkommen beim ev. Kirchspiel Solz

Durchblick

"Was sind denn so Ihre Perspektiven für die kommenden Monate?" Nicht mehr lange, dann ist die Sommerpause vorbei, und die letzten fünf Monate dieses Jahres liegen vor uns. Kein schlechter Zeitpunkt, um zu überlegen, worauf ich denn meinen Blick, meine Aufmerksamkeit in der kommenden Zeit richten, worauf ich mich konzentrieren will. Gibt es etwas, von dem ich zum Jahreswechsel sagen können möchte "Das habe ich geschafft!" oder "Da bin ich ein spürbares Stück voran gekommen!" oder auch "Das habe ich in diesem Herbst ganz intensiv erlebt."? Vielleicht ein Stück Trauerarbeit, die ich hinter mich gebracht haben möchte, vielleicht Zeit für mein Kind oder meinen Enkel, weil bei dem im Moment so viel passiert, vielleicht eine neue Arbeitsstelle, damit ich im nächsten Jahr meinen Blick dann auf etwas ganz anderes richten kann.
Pläne machen, wissen, was für mich dran ist, meine freien Kräfte konzentrieren, das lohnt sich. Ja, dabei lohnt es sich sogar sehr sorgfältig zu sein, sehr bewusst zu entscheiden. Ich will mir ja nicht irgendwas vornehmen. Als der Prophet Samuel in der Bibel vor einer sehr richtungsweisenden Entscheidung steht, erkennt er "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an." (1. Sam 16:7b). Das wäre schon klasse, wenn ich mich danach ausrichten könnte, nach dem Kern der Dinge, nach dem Herz meines Lebens, nach dem, was – für mich – wirklich wichtig ist. Wonach richten wir uns denn sonst, könnte man einwenden, wenn nicht nach dem, was für uns wichtig ist? Und gleichzeitig machen wir immer wieder die Erfahrung, das wir an dem vorbei leben, was tatsächlich wichtig für uns ist, weil wir eben sehen, was vor Augen ist und den Dingen längst nicht immer auf den Grund, aufs Herz blicken.
In einem Lied aus Taizé heißt es "Oculi nostri ad Dominum Deum" – unsere Augen sind auf den Herrn, unseren Gott gerichtet, nicht mehr und nicht weniger. Immer wieder haben Menschen die Erfahrung gemacht, dass sie erst dann ganz zu sich selbst gefunden haben, als sie von sich selbst weg geschaut haben, als sie aufgehört hatten, sich nur um sich selbst zu drehen. Als sie ihre Augen auf Gott richteten – mit all den Fragen und Ungewissheiten, die sie hatten – ist ihr Blick frei geworden für die Tiefe, für das Herz ihres eigenen Lebens. Vielleicht, weil im Von-sich-selbst-weg-schauen erst deutlich wurde, was denn eigentlich alles gar nicht wirklich wichtig war, was sie nur dachten, dass sie das tun müssten, um die Erwartungen ihrer Mitmenschen oder ihre eigenen zu befriedigen.
"Was sind denn so Ihre Perspektiven für die kommenden Monate?"
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Zeit nehmen können, darüber nachzudenken und dass Sie auf diese Frage in Ihren Herzen eine gute Antwort finden und so mit Durchblick und Zuversicht vorwärts gehen können.
In der und um die Solzer Kirche wird in den kommenden Monaten hoffentlich allerlei Veränderung vor Augen sein: wir bekommen eine neue Heizung, der Bachlauf am Kindergartengelände soll erneuert werden und der Gemeindesaal wird mit einer Fluchttreppe ausgestattet. Mit Glück kann ich Ihnen im nächsten Gemeindebrief schon von den Ergebnissen berichten. Und mit Gottes Hilfe bringt uns das nicht nur äußerlich, sondern auch im Herzen als Gemeinde ein Stück voran.

Ihr Pfarrer

Pfarrer Tobias Gottesleben

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